Wir hatten einen brandneuen Dethleffs Just Go 7055 auf Ford Transit Chassis gekauft. Der Transit ist Baujahr 2022 und hatte noch keine 400km gelaufen und es stand schon Wasser im Eingang.
Gefunden hatten wir das auf der Suche nach einem Kabelweg vom Aufbau zum Radioschacht. Dazu hatten wir auf der Beifahrerseite die Blende in der Einstiegsstufe (da wo der kleine Kompressor versteckt ist) entfernt und just eine größere Pfütze entdeckt.
Der Dauerregen hatte die Suche nach der Ursache nicht begünstigt. In 2 Tagen hatten wir mehr als 5 Liter Wasser abgesaugt!
Das das gesamte Dachwasser über die Beifahrerseite ablief war der leichten Neigung (1-2°) des Parkplatzes geschuldet.
Ermittelte Ursachen (1., 2., 3.):
Das Wasser läuft vom Dach über den kleinen Graben zwischen der Scheibe und der A-Säule ab. Unterhalb der Scheibe ist eine Plastikrinne, die aus mehreren Teilen besteht und diese leitet von der Mitte das Wasser in die Nähe der Motorhauben-Scharniere und von dort tropft es einfach am Ende der Rinne herunter. Also in den Zwischenraum zwischen äußerem und inneren Kotflügel und wohl auch noch Teile der A-Säule.
Der Ablauf ist sicherlich bei einem normalen Ford Transit eine unglückliche Konstruktion. Mit weniger Wasser als bei einem Wohnmobil, mag es gerade so funktionieren. Für ein Wohnmobil ist es aber desaströs, da die Wassermenge so viel größer ist und das Gefälle auch noch stärker. Somit schießt zu viel Wasser in die kleine Rinne und am Ende in die Karossiere. Soviel zur Ursache 1
Ursache 2 macht es schlimmer. Auf der Beifahrerseite wurde das Kabel für die Kotflügelantenne über diese Rinne in den Motorraum verlegt. Man wollte vermutlich ein einklemmen am Scharnier verhindern. Das führte aber dazu, dass die Rinne in Richtung Aufbau gedrückt wurde und sich das gesamte Wasser vom Dach in Richtung der A-Säule einen Weg suchte. Die Kotflügeldämmung, ein in Plastik eingeschweißter Schaumstoffklotz, war so positioniert, dass das Wasser daran in Richtung Aufbau gut weitkommen konnte.
Ursache 3 war eigentlich nur Pech oder Schlamperei oder Glück. Je nachdem wie man es sehen möchte. Wir hatten die Option mit der Rückfahrkamera Vorbereitung gekauft. Das Kabel wurde von Dethleffs also schon im Werk verlegt. Es läuft genau an der Plastikblende im Einstieg (oben schon beschrieben) entlang. Um die Kabel unter die Blende (Einstieg) zu bekommen, wurde dieses abgeschraubt und dazu musste auch die Türdichtung (vorne) auf 20cm abgezogen werden. An dieser Dichtung klebte Dichtmasse, die wohl im Werk aus den Blechschichten mit herausgezogen wurde. In der Folge ist das Wasser an dieser Stelle heraus und unter dem Tür-Gummi weiter nach unten gelaufen und hat sich in der Einstiegsstufe gestaut. Wir hatte ein Fall da kam es sturzbachmäßig beim öffnen der Tür heraus, da dieser Bereich keine Ablauflöcher hat.
Nun zu den Abhilfen:
1. Antennenkabel unter die Ablaufrinne verlegen und mit Kabelbinder so befestigen, dass die Scharniere dieses nicht beschädigen können. Die Ablaufrinne wieder in die richtige Position drücken und zwischen der nicht mehr benötigten Kabelklemme des Antennenkabels und einer Blechnase einklemmen.
2. Schwer zu beschreiben, aber wenn man von oben in den Abtropfbereich hineinschaut sieht man verschweißte Blechteile, die oben, dreieckförmig, offen stehen. Diese haben wir mit Dichtungsmaße verschlossen. An der gleichen Stelle gibt es noch eine weitere senkrechte Blechlücke, die wir gleich mit verschlossen haben.
3. Dort wo das Wasser unter dem Tür-Gummi heraussprudelte wurde noch nachgedichtet.
Der Ablauf tropfte zwar nun gerade in den Bereich zwischen dem Kotflügel und dem Radkasten, aber schön war das noch immer nicht. Vor allem auf der Fahrerseite tropfte es auch auf das Motorsteuergerät und einen Vielfachstecker.
Wem geben wir jetzt die Schuld?
Ich denke es ist eine riskante Ablaufkonstruktion von Ford, aber durch die Verlegung des Antennenkabels wurde es von Dethleffs verschlimmert. Ich denke auch, dass sich Dethleffs keine großen Gedanken darüber gemacht hat, die 3x-fache Menge an Wasser über die Windschutzscheibe abzuführen. Auch mit unseren Änderungen sind die Abläufe noch immer zu klein und es wird weiterhin Wasser über die Rinne schwappen und dann unkontrolliert ins Chassis und Motorraum laufen. Aber auch dafür gibt es eine Lösung die ich in einem eigene Artikel vorstelle.
Warum haben wir das eigentlich selbst gelöst?
Nun, wir haben das Wohnmobil 350km weit weg von unserem Wohnort gekauft. Südlich von Bielefeld um genau zu sein. Der Name des Händlers endet auf einer Himmelsrichtung. Nur dort gab es das Model ab Lager.
Der Händler hat sich aber als wenig hilfsbereit erwiesen. Er schreib uns: Fußraum = Chassis ergo wenden sie sich an einen Ford-Händler Ihres Vertrauens. Das haben wir versucht. Der größte Ford-Händler von Deutschland sagt uns er könne uns nicht helfen, denn er habe keinen Karosseriemechaniker. Wer es glaubt…. Wir wurden an einen Ford-Händler in Frankfurt a.M. verwiesen der uns auch abwimmelte.
Leider regnete es fast ununterbrochen und wir brauchten eine schnelle Lösung. Also haben wir selbst gesucht und auch im Internet einen Beitrag gefunden. Damit war klar, dass Ford keine Lösung hat. Dethleffs hat uns dann an den WoMo-Händler verwiesen, der uns zum Ford-Händler unseres Vertrauens weiterschickte… Ein Schelm wer böses dabei denkt….
Um das Problem ohne Beschädigungen der Originalteile zu lösen, habe ich zwei Ablauftöpfe konstruiert und 3D-gedruck. Dieser wurde mit Dekaseal 8936 am Ende der Rinne abgedichtet. Der Ablauftopf hat einen Rohrabgang von 22mm im Winkel von 45 Grad. Daran ist ein leichter und flexibler 50cm langer Schlauch befestigt, der im Radkasten über dem Reifen endet. Also dort wo es schon rechteckige Löcher im Plastik gibt. Als Ablaufschlauch mit 20mm Innendurchmesser habe ich diesen benutzt: Amazon ASIN:B0BTTPSJVC / HSR-Alu_K300_20mm_schwarz_1St. [Anbieter ist Schlauchland].
Die Befestigung an der Karosserie erfolgt über den 8mm Schraubbolzen unterhalb des Scharniers. Umwickelt mit Luftpolsterfolie klappert er auch nicht im Kotflügel herum. Am Ende waren es 6 Versionen, die ich produziert hatte, bis alles perfekt war. In den Bildern sieht man zumeist noch die Variante mit dem kleineren Topf. Diesen habe ich bei Version 6 dann nochmal deutlich vergrößert.
Info zum 3D-drucken: Carbonverstärktes ABS+, 0,6 Düse, 100% Infill, Support (touching Buildplate), 0.2 Auflösung oder besser, Kopfüber drucken (große Öffnung in Richtung zum Druckbett), gerendert wurde mit Cura. Die Druckdateien gibt es mit diesem Link.
Für uns war und ist dieses Problem damit dauerhaft gelöst, auch wenn wir noch mehr Probleme mit Wasser hatten. Dazu aber mehr in eignen Beiträgen.